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Warum ich Spielplätze hasse

Als ich noch schwanger war, stellte ich es mir so schön vor: Mit Martha auf den Spielplatz gehen, sie spielen und toben lassen, dabei selbst auf einer Bank sitzen, stricken und mit anderen Müttern plaudern. Die Kinder haben stundenlang Spaß zusammen und fallen Abends hundemüde ins Bett.

Ähnliche Tage hatten wir letztes Jahr im Sommer, aber da machte Martha noch ihre ersten Krabbelversuche auf der Picknickdecke und war an dem Trubel um sie herum nicht interessiert.

Dieses Jahr sieht das schon ganz anders aus:
Wir kommen auf dem Spielplatz an und Martha stürmt direkt los, zuerst mal alles genau begutachten. Ich setze mich auf eine Bank und schaue zu. Da sieht sie auf einer etwas entfernten Wiese Kinder mit einem Ball spielen und muss natürlich hin...sie läuft und läuft und langsam werde ich nervös, immer weiter entfernt sie sich und ich schätze schon mal ab wann ich los laufen muss um sie zu erwischen bevor sie die nächste Straße erreicht. Ok, die ersten Mütter schauen sich schon um zu wem das Kind gehört, also sprinte ich los. "Martha, komm wir gehen wieder zurück"-Keine Reaktion-"Martha wir haben auch einen Ball dabei"-Keine Reaktion- Die Ball spielenden Kinder haben sich mittlerweile verzogen und Martha rennt begeistert weiter in Richtung Straße, also schnappe ich mir das Kind, das sich wütend auf meinem Arm windet-"neineinein"- und  trage das motzende Kind im Fliegergriff (Der einzige Griff aus dem sie sich nicht rausgewunden bekommt) unter den irritiert/mitleidigen/abschätzigen Blicken der anderen Mütter zurück in den Sandkasten.
Ich bin schon halb nass geschwitzt und setze mich wieder auf eine Bank. Dann sieht Martha ein anderes Kleinkind mit seiner Mama im Sand sitzen, umgeben vom tollsten Spielzeug. Kurzerhand setzt sich Martha mitten hinein und spielt mit allem. Die andere Mutter schaut etwas verkniffen, ich weiß mal wieder nicht was ich tun soll. Dann fängt Martha an Essen aus der Tasche der fremden Mutter zu fischen, ich sehe wie unangenehm es ihr ist und fühle mich genötigt einzugreifen. Also wieder aufstehen. "Hey Martha, lass das bitte, die Tasche gehört uns nicht" -Keine Reaktion vom inzwischen Hirsekringel-mampfenden Kind- "Wir haben auch was zu essen dabei" -keine Reaktion- Die andere Mutter schaut mich nur verlegen an, mit diesem Mütterblick, der alles bedeuten kann von "die Arme" bis hin zu "Das Kind ist ja gar nicht erzogen". Dann schnappt sich Martha auch noch die Trinkflasche des anderen Kindes, da hört dann auch bei der Mutter der Spaß auf und wieder schnappe ich mir mein wütendes Kind und trage es außer Sichtweite. Jetzt rennt sie entweder schnurrstraks zurück und das Spiel wiederholt sich noch ein paar mal oder sie fängt an im Sand zu buddeln. Ihre Lieblingsplätze : direkt vor der Rutsche - O-Ton größeres Kind: "Das blöde Baby soll die Rutsche frei machen"- oder unter der Schaukel -wo noch geschaukelt wird- Ich renne und flitze, erkläre und entschuldige mich, bis ich irgendwann nass geschwitzt bin und Martha total wütend.

Ja, mit Entspannung hat das rein gar nichts mehr zu tun.

Manch einer würde jetzt sagen mein Kind sei nicht gut erzogen, ich sage sie ist einfach so wie jedes andere 1 1/2-jährige Kind, nur das sie vielleicht etwas weniger Berührungsängste mit anderen Kindern hat als andere in ihrem Alter. Mir macht es nichts aus wenn sie mit dem Spielzeug anderer Kinder spielt, ebenso wie jedes Kind mit unserem spielen darf. Sie teilt gerne ihr Essen und darf auch das von anderen probieren, aber ich greife dennoch ein, weil ich mich irgendwie genötigt sehe, weil andere Mütter das ganz anders sehen könnten.
Ich würde Martha auf dem Spielplatz gerne soziale Kontakte zu anderen Kindern ermöglichen. Das die Kinder lernen Konflikte untereinander zu lösen, stattdessen springen wir Mütter immer sofort rein: "schau mal, jetzt ist sie ganz traurig weil du ihre Schaufel genommen hast" -"Du musst auch lernen zu teilen".
Warum übernehmen wir immer das Wort für unsere Kleinkinder und lassen sie das nicht mehr selbst regeln?
Ich denke die meisten Mütter wünschen sich das, aber jeder sieht sich dazu genötigt so zu handeln, man will ja nicht desinteressiert wirken, es soll ja niemand denken das man sein Kind nicht richtig erzieht.
Ich glaube die schlimmste Spielplatz-Zeit ist wirklich zwischen dem 1. und 2. Geburtstag (zumindest lassen meine Beobachtungen erahnen das es danach besser wird), die Kinder sind mobil und haben einen riesigen Entdeckungsdrang, sie verstehen zwar schon vieles, aber können Gefahren noch nicht einschätzen. Sie denken weiter als sie in der Lage sind sich verbal auszudrücken. Und mal ganz ehrlich: kaum ein Spielplatz ist wirklich Kleinkind-tauglich.

Warum trotzdem jeden Morgen wieder die Mütter mit ihren Kleinkindern losziehen? Weil sie vermutlich in der Schwangerschaft den gleichen Traum hatten wie ich ;)

Kommentare:

  1. Hallo!:)
    ich habe zwar selbst noch keine Kinder gehe aber Nebenberuflich bei meinen Nachbarn babysitten. Die Jungs sind 3 & 5 und ziemliche Energiebündel! Wenn ich mit ihnen auf den Spielplatz gehe kenn ich deine Problematik, die Kinder flitzen kaum das wir den Spielplatz betreten haben los und ich muss dann erstmal schauen, denn natürlich rennt einer rechts der andere links. Zum Glück ist der gesamte Spielplatz eingezäunt jedoch mitten im Wohngebiet und zahlreiche Gärten grenzen an, also muss ich immer drauf achten das es nicht 'meine' Jungs sind die Stöcke über den Zaun pfeffern oder sowas..
    auch muss ich Streit schlichten und Vermitteln, die meisten Mütter kennen mich bereits und bleiben dann gelassen auf der Bank während ich die Streitschlichterin spiele..
    Für mich wäre es kein Problem wenn andere Kinder mit den Spielsachen spielen oder das Essen essen, ich mein was möchte man von einer 1 1/2 jährigen erwarten? Leider gehen dann die Blicke sehr oft zu der Mutter, so wie du es beschreibst dieser typische Mutter-Blick der alles bedeuten kann.
    Aber wie du auch sagtest werden die Mäuse ja immer älter und der 5 jährige hört jetzt zumindest schon wenn ich ihm hinter her rufe weil er plötzlich und ohne Vorahnung flitzt.. aber da haben wir auch 3 Jahre für gebraucht - ja ich pass seit mittlerweile 3 Jahren auf die Jungs auf und wir sind ein eingespieltes Team ich geh mit den zweien auch ins Schwimmbad oder so (mit Begleitung also nicht allein) aber ich kann deine Sorgen verstehen man denkt super auf den Spielplatz die Kleinen spielen und ich sitz auf der Bank aber meistens rennt man dann wie irre rum und versuchtt und tut und macht.
    Naja alles wird besser :)
    liebste Grüße, Susan

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  2. Hihi. Ja. Da hilft ein Geschwisterkind ganz gut. Es übernimmt ein paar Anweisungen. Ansonsten muss ich sagen, dass meine Grenze auch erreicht wäre, wenn ein fremdes Kind in meinen Sachen wühlt. Allerdings ist es mir dann nicht zu blöd selber dem Kind zusagen, dass es meine Tasche ist und ich das nicht will. Das verstehe ich im Moment nicht, warum man das nach heutiger Meinung nicht machen darf...
    Aber es wird wirklich besser.
    Liebe Grüße, Pauline

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  3. Zuerst musste ich mal herzhaft lachen. Als Außenstehende kann man das ja auch so gut.
    Spielplatz als Kontaktbörse - ich glaube, das geht einfach nicht. Das ist der Vorteil hier auf dem Dorf. Wenn man hier auf einen Spielplatz geht kennt man die anwesenden Mütter meistens und kann auch ihre Reaktionen fast immer abschätzen.
    Und ehrlich - wenn ich als Kleinkindmutter was zum Essen und Trinken dabei habe, habe ich das so verstaut, dass keiner außer mir da dran kommt. Oder schleppst du alles vollkommen offen mit dir rum?
    Und wie ich solche Sätze (Traurigsein, teilen) hasse. Wenn ein Kind traurig ist, dann äußert es das schon ganz von allein. Auch wenn es noch nicht sprechen kann. Und jeder sollte dann trösten. Und teilen - teilen wir Erwachsene einfach so alles mit anderen, nur weil die das gerne möchten? Ich wüsste nicht. Klar muss man teilen lernen. Man muss aber auch lernen, dass man etwas für sich alleine hat. Und das alles von einem 1 1/2 jährigen Kind zu verlangen - das ist ein Unding. Und mit erzogen oder nicht erzogen hat Marthas Verhalten auch nichts zu tun. Also keine Angst, immer mal wieder versuchen und vielleicht auch mal versuchen, mit den anderen Müttern ins Gespräch. Vielleicht denken sie genau wie du und trauen sich nur nicht es zuzugeben.

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  4. ich gehe nur auf eingezäunte spielplätze.... alles andere macht mich fertig. und ansonsten hört sich das doch recht normal an. ;-)

    glg!
    claudia

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  5. Das ist ein großes Problem unserer Zeit.
    Eltern regeln für ihre Kinder, auch Streit mit anderen Kindern und wir entschuldigen uns für sie.
    Falsch!
    Jeder hat andere Grenzen und die muss derjenige auch "verteidigen" wenn ich nicht möchte das ein anderes Kind die Trinkflasche meines Kindes nimmt, dann nehme ich sie aus der Hand und sage ihm das das nicht okay ist. Das Problem sind häufig die anderen Mütter die ja gar nicht vertragen wenn sie von fremden gemaßregelt werden. Dabei war das früher Gang und Gebe und richtig. Es braucht ein ganzes Dorf ein Kind zu erziehen, wir alle sind das Dorf, aber es setzt sich ja fort "Von dem Lehrer musst Du dir nichts sagen lassen!" ja ja.
    Kinder lernen ihre Grenzen am besten kennen wenn man sie sie ihnen aufzeigt und zwar bildlich, eine Mutter die außer Atem alles versucht zu vermeiden ist da eher kontraproduktiv.
    Leider ist uns die Natürlichkeit im Umgang mit Kindern verloren gegangen.
    Ich weiß von was ich rede, ich bin seit mehreren Jahren mit meiner Tochter in dieser Phase und glaube mir, irgendwann rennt man nur noch wenn das Kind selbst in Gefahr ist und das ist auch oft genug, auf ihr essen und flaschen und Spielzeug sollen andere selbst aufpassen
    LG
    Martina

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  6. Glaub mir, das wird wenigstens etwas besser :D Und naja, die Blicke versuche ich zu ignorieren & wenn da Kind dann unbedingt den Bagger des anderen Kindes will, frage ich die Mama des Kindes oder das Kind selbst lieb, ob das denn okay ist ist (sofern das andere Kidn es nicht gerade selbst bespielt). Richtig relaxed ist es dennoch nicht, aber es wird wirklich besser lann ich dir sagen :D

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  7. Dazu kann ich nur sagen: ja, die schlimmste Zeit ist mit 1,5! Nächstes Jahr wird es viel besser!! Mittlerweile kann ich auf der Bank sitzen, meist eine lange Zeit, bis mein Sohn irgendwann dann doch schaukeln will oder irgendwo verschwindet.
    Mein Sohn weiß, dass Spielplatz-Spielsachen auch mal verliehen werden, dafür kann man dann auch mal mit den fremden Sachen spielen. Das "Um Futter-Betteln" ist allerdings immer noch nicht ganz abgestellt :0) die Brezeln der Nachbarin sind doch interessanter....
    Und: mit 2,5 Jahren kennt man als Mama die Spielplätze mit dem angenehmsten Publikum bzw der größten Übersicht und wird auch selbst entspannter. UND das Kind kann sich besser artikulieren und versteht einen besser (von Trotzanfällen rede ich hier allerdings nicht).

    lg! E

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  8. Das ein Kind durch die Gegend rennt, alles ausprobieren und entdecken möchte ist doch total normal und gut. Klar ist es für die Eltern anstrengend, aber das Getue der anderen Eltern finde ich noch tausendmal anstrengender. Wir hatten auch so einen Fall im Urlaub: Unsere Kleine hat schön im Sand gespielt, da kam ein Junge, der kaum älter war und hat die vom Papa gebaute Sandburg kaputt gemacht. Das war weder für uns, noch für unsere Tochter ein Problem (hat man ja schnell wieder aufgebaut), aber die Mutter das Kindes hat sich so sehr aufgeregt "du darfst nicht alles zerstören, ich will nicht dass du alles zerstörst usw." Sie hat sich x-Mal entschuldigt, obwohl wir darin überhaupt kein Problem gesehen haben. Als wir es nicht mehr hören konnten sind wir zum Meer gegangen und als wir wieder kamen, hatten die Eltern die Burg wieder aufgebaut. Blöderweise ist unsere Kleine dann kurze Zeit später losgezogen und hat sich die Schaufel des kleinen Jungen geschnappt, was dem allerdings gar nicht gepasst hat. Normalerweise hätte ich in der Situation gar nichts gemacht, aber in dem Moment fühlte ich mich dann auch so sehr genötigt einzugreifen und unser Kind davon zu überzeugen, dass es mit der Schaufel nicht spielen soll, dass ich mir einfach nur noch blöd vorkam. Ähnliches passierte uns auch kürzlich auf einem Kindergeburtstag und ich glaube langsam wird es Zeit, dass ich lerne, mir auch in solchen Situationen treu zu bleiben. Es freut mich auf jeden Fall zu lesen, dass dir und vielen anderen hier dieses Getue auch auf den Keks geht.
    Liebe Grüße, Antonia

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  9. Da sprichst du wirklich wahre Worte!!!!

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  10. Hallo,
    das stimmt schon: Spielplätze sind so eine Sache. Ich hab mittlerweile meinen Modus gefunden: Ich meide die hippen Spielplätze im Neubaugebiet. Auf den älteren ist oft sehr wenig los. Dann spielen wir in Ruhe so lange wir wollen. Ich setze mich fast immer dazu in den Sand - ich will ja auch was bauen:). Andere Mütter sind mir dabei eigentlich gleich. Ich habe verstanden, dass ich nicht dazu passe. Wenn wir keine Lust mehr haben, gehts wieder heim, um was Leckeres zu naschen - oder zu einer Freundin, die einen eigenen kleinen Spielplatz im Garten hat.
    Grüße von Lamasus!

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  11. Du sprichst mir aus der Seele. Meine Kleine ist ja genau so alt wie Martha und anscheinend genau so aufgeschlossen. Ich fände es toll, wenn sie auch mal auf dem Spielplatz frei spielen könnte mit anderen Kindern. Aber wenn es dabei nicht um gute Freunde geht wird die Sache schwierig und ich sehe mich genötigt mein Kind "zurechtzuweisen" statt ihre Neugierde und ihren Entdeckerdrang zu fördern. Es ist wirklich schade, dass wir Mütter da nicht offener sind (und da schließe ich mich voll mit ein)!

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