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Stadtliebe


Mittwochabend hatten wir die erste Wohnungsbesichtigung.
Eine Wohnung auf dem Land!
So wirklich war uns das aber vorher nicht bewusst, denn wir kennen die bergische Stadt als Vorort von Köln, Freunde von uns leben dort und wir fanden es dort sehr schön, viel kleiner natürlich, aber trotzdem eine richtige Stadt.
Was wir nicht wussten, war dass das Stadtteil in der die Wohnung lag recht außerhalb war, in Höhenlage, eigentlich wie ein 300-Einwohnerdorf mit furchtbar engen und steilen Straßen.
Wir hatten uns sehr auf die Wohnung gefreut, denn sie war perfekt von Größe, Ausstattung und Preis, aber als wir dann ankamen wäre ich am liebsten gar nicht aus dem Auto ausgestiegen. Erst später wurde ich mir bewusst warum.
Wir sind natürlich trotzdem ausgestiegen und haben uns die Wohnung angesehen, und sie war wirklich perfekt! Perfekter als Perfekt! Aber die Begeisterung kam nicht bei mir an.
Wieder im Auto mussten wir uns ziemlich schnell eingestehen, dass wir die Wohnung aufgrund der Lage nicht wollen. Selbst Nils, der unbedingt aufs Land will, gefiel die Lage nicht.
Während der Fahrt merkte ich was das für ein komisches Gefühl war, dass ich die ganze Zeit hatte. Beklemmungen, richtig schlimme Beklemmungen, ich fühlte mich eingeengt. Als würde jemand auf meiner Brust sitzen, mir die Luft abschnüren.
Weil ich die Autobahnauffahrt verpasste fuhr ich über die Landstraße zurück nach Köln, eine meiner Lieblingsstrecken, durch Brück, Merheim, Höhenhaus, nach Hause nach Kalk. Die Häuser wurden größer und dichter, die Lichter heller und ich merkte wie ich zur Ruhe kam.
Zuhause, genau das Gefühl machte sich plötzlich in meiner Brust breit und ich musste mir eingestehen, dass ich noch nicht bereit bin für ein Landleben, so gerne ich Nils den gefallen tun würde, und Martha natürlich auch. Aber ich brauche noch die Weite, die Menschenmassen, das pulsierende Leben, die uneingeschränkten Möglichkeiten.
21 Jahre lang lebte ich auf dem Land, aber jetzt bin ich ein Stadtkind und werde das auch erstmal bleiben.
Vielleicht wird die Stadt irgendwann eine andere, eine kleinere, aber das Landleben kann noch warten!

Kommentare:

  1. also ich find die Stadt in der wir leben ganz schön klein... vorgestern auf dem Weg von der Innenstadt nach Hause bleiben wir vor dem Zebrastreifen stehen. Ein Kinderwagen überquert ihn, darin ein kleiner Zwerg. Ich: Ohhhhh guck mal was für ein süßes Babymädchen. Mein Freund so, ''ja echt total süß, tolle Haare''. ich denk mir so hm, die kenn ich doch irgendwoher. Ich seh den Häckelrucksack am Kinderwagen runterbaumeln. Ich laut: Oh Schatz guck mal das ist die Marthaaaaaaaa! Er schaut mich ganz verwirrt an und fragt ''welche Martha?''.

    Ich bin eigentlich keine Blog-Leserin (keine Zeit, die Studienbücher müssen gelesen werden) aber ab und an schau ich bei dir rein und nutze deinen Blog als ''kleine Pause''.

    Es ist schon komisch von jemandem zu sprechen, jemanden zu sehen, den man eigentlich nicht kennt, aber irgendwie halt schon. Als ich meinem Freund dann erklärt habe wer Martha ist, erzählte ich von dir, ihrem Papa, was ihr alle so macht, was Martha alles für tolle Sachen hat, die unser Sohn auch hat und konnte garnicht mehr aufhören zu erzählen. Dann wirkt es so, als würde man euch wirklich nahe stehen.

    Wie auch immer - es war ein sehr komischer, lustiger Moment. Auf diesem Wege, als sonst so stille Mitleserin, muss ich dir sagen, dass du einen unglaublich schönen Blog hast, den ich wirklich sehr gerne lese. Meinen Respekt, dass du neben Mann, Kind, Uni usw. noch die Zeit dafür findest eine Reihe von Menschen an deinem Leben teilhaben zu lassen. Du machst das großartig!

    Liebe Grüße, Lina

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  2. Liebe Svenja,
    Genau das Gefühl, welches du beschreibst, hatte ich auch. Manchmal habe ich es noch, wenn ich in die Stadt zurückfahre. Dann denke ich immer: Im Herzen ist dies mein zu Hause. Mit 5 Jahren war ich das erste Mal im Belgischen Viertel und sagte damals zu meiner Mama: Wenn ich mal groß bin, will ich genau hier leben. So war es auch.
    Es war auch bei uns Felix, der aufs Land wollte. Ich war immer nur halbherzig dabei, obwohl es meine Familie ist, zu der wir gezogen sind.
    Gestern saß ich im Garten und habe meiner Tante dabei zugesehen, wie sie den Grillplatz für den Sommer herrichtet. Johann krabbelte dabei immer zwischen Hof und Garten hin und her.
    Da habe ich mir gedacht: So sehr ich die Stadt vermisse, so sehr ich alle meine Freunde vermisse, GENAU das hier kann Johann in der Stadt halt nicht. Frei sein.
    Ich freu mich schon, wenn wir wieder in die Stadt ziehen, soviel ist klar. Aber solange Johann (und hoffentlich auch bald sein Geschwisterlichen, wenn eins kommt) klein sind, ist das Leben auf dem Land viel leichter.
    Ich möchte sich nicht umstimmen, überhaupt nicht. Und dich auch nicht verurteilen denn ich verstehe dich zu 100%.
    Vielleicht hast du ja im Sommer mal Lust uns besuchen zu kommen und dir ein Bild vom "einfachen" Landleben machen. Sind auch von Kalk nur 15 min ;)

    Liebsten Gruß, Nora,

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  3. Ich kann dir so nachempfinden. Mir geht es ganz genauso. Stadtkind durch und durch. Meine Auszeit von der Stadt kann ich bei meinen Großeltern auf den Land neben - das tut uns als Familie alllen gut. Aber je die Stadt verlassen? Nein. Mich zieht es sogar gern mal in die nächstgrößeren Städte. Ich hoffe, ihr findet eine Wohnung in der Stadt, die euch umhaut & Heimatsgefühl aufkommen lässt!

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  4. aaah, mich halten immer alle für wahnsinnig wenn ich sowas sage aber mir geht es genauso wie dir. ich fühle mich auf dem land eingeengt ich hab auch dieses gefühl dass mir wer auf der brust sitzt und mich am atmen hindert. ich lebe direkt in der stadt, 2 straßen von der großen einkaufsstraße entfernt und ich liebe die vielen autos, die grellen lichter, die menschen massen. man ist hier nie alleine.

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  5. So sind die Menschen nunmal, jeder fühlt sich irgendwo zuhause. Ich bin in der Stadt unglücklich, vermisse es in die Weite schauen zu können und überall grün zu sehen. Mir gefällt die Anonymität nicht, niemanden zu kennen und das Gefühl zu haben, keiner interessiert sich für mich. Aber zum Glück können wir ja alle recht frei wählen, wo wir wohnen möchten. Also viel Erfolg weiterhin bei der Suche nach der perfekten Stadtwohnung :)

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  6. Ich kann dich verstehen. Ich habe 25 Jahre im Friesenviertel gewohnt und dann wollte mein Freund mich nach Siegburg schleppen. Ich konnte ihn dann von der Südstadt überzeugen. Das Umfeld regiert dein Leben. Ich bin kein Landkind! Ich liebe die Stadt!
    LG
    Ina

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  7. Mir geht es genauso! Die Vernunft sagt denk an die zukunft deines noch nicht geborenen Kindes, aber dann schlendere ich durch mein Veedel, mache alles mit dem Rad und geniesse die kulturellen Angebote, flohmärkte und cafes. Auf dem land leben heisst eben auch alles mit dem Auto machen müssen, weniger Gleichgesinnte, etc.

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