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Der letzte Sargnagel?

Wer uns bei Facebook folgt, der hat es schon gelesen. Ab Mitte 2015 wird es, wenn die Politik sich nicht endlich einschaltet, keine freiberuflichen Hebammen mehr geben, weil sie keine Haftpflichtversicherung mehr bekommen, ohne die sie nicht arbeiten dürfen. Das bedeutet keine Vorsorge, keine Hausgeburten, keine Beleghebammen, keine Nachsorge. Als ich das las, wurde mir schwindelig.
Nun weiß ich, dass hier auch viele Noch-Nicht-Mamas mitlesen, die mit der Thematik nicht so viel anfangen können, deshalb will ich ein bisschen erklären und erläutern warum ich mir keine Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ohne (meine) Hebamme vorstellen kann.

Wenn man schwanger ist wird man engmaschig untersucht, bei einer komplikationslosen Schwangerschaft jeden Monat, wenn es Probleme gibt auch alle 2 Wochen.
Diese Termine kann man entweder bei einem Frauenarzt wahrnehmen oder bei einer Hebamme. Es wird jedes Mal eine Urinprobe genommen, der Blutdruck und das Gewicht werden kontrolliert und im Mutterpass notiert, außerdem die Lage des Kindes, die Größe der Gebärmutter und es wird dem Herzschlag des Kindes gelauscht. Gegen Ende der Schwangerschaft werden auch CTGs geschrieben, dabei wird über eine halbe Stunde die Wehentätigkeit und der Herzschlag des Kindes kontrolliert.
Das alles kann sowohl ein Frauenarzt, als auch eine Hebamme machen. Das einzige was der Frauenarzt zusätzlich machen kann, ist der Ultraschall. Aber laut Mutterpass, sind nur 3 Ultraschalluntersuchungen "vorgeschrieben". Viele Ärzte verlangen deshalb extra Gebühren für zusätzliche Ultraschalls.
Ich wurde von der 12. Schwangerschaftswoche an von meiner Hebamme (Anna) betreut, nur zu den 3 Ultraschalls war ich beim Arzt.
Ich fand die Termine mit Anna so schön und beruhigend. Sie kam zu uns nach Hause und nahm sich immer sehr viel Zeit für alle Fragen und Sorgen. Ein Termin dauerte so gerne mal eine Stunde und danach ging es mir einfach nur gut. Beim Arzt fühlte ich mich oft wie in einer Massenabfertigung, im Wartezimmer saß ich schon ewig obwohl ich einen Termin hatte und wenn ich dann an die Reihe war musste alles zackzack gehen. Da entschädigte einen auch das Ultraschallbildchen nicht (Martha hat sich aber auch nicht besonders Kooperativ damals verhalten).
Zur Geburt ging Anna mit mir ins Krankenhaus. Als ich merkte, dass ich richtige Wehen habe, rief ich sie an (um 4.30Uhr nachts!!!!) und sie kam sofort zu uns, kontrollierte die Herztöne und schaute nach dem Muttermund um festzustellen wie weit die Geburt schon voran geschritten war, dann fuhren wir im Autokorso zum Krankenhaus wo sie mir während der ganzen Geburt keine Sekunde von der Seite wich.
Ohne Beleghebamme fährt man einfach so ins Krankenhaus wenn man meint das es los geht. Wenn man einen Fehlalarm hat wird man wieder heim geschickt oder stationär aufgenommen, oft ist die Geburt noch ganz am Anfang und man muss die Krankenhausflure auf und ab laufen um die Wehen in Gang zu bringen.
Anna respektierte meine Wünsche bezüglich der Geburt, welche ich ihr vorher schon mitgeteilt hatte und ermöglichte mir so eine wunderschöne Geburt.
Als wir wieder zuhause waren kam Anna in den ersten 2 Wochen mindestens jeden 2ten Tag. Sie kontrollierte ob sich meine Gebärmutter richtig zurückbildete, gab Hilfestellung beim Stillen, wog Martha um ihre Zunahme zu kontrollieren und untersuchte sie, wenn wir wegen etwas unsicher waren. Aber das wichtigste: Sie nahm sich Zeit für uns und hörte uns zu, machte Mut und baute wieder auf.
Bis Martha 8 Wochen war kam Anna dann noch mindestens einmal pro Woche, anschließend einmal im Monat. Denn was viele nicht wissen: man hat ein Recht auf ein ganzes Jahr Hebammenbetreuung und auch zum abstillen könnte ich mich wieder an sie wenden.
Anna kontrollierte weiter Marthas Gewicht, half beim Umstieg auf Beikost und hatte weiterhin ein offenes Ohr.
Zuletzt war sie im Oktober hier und ich war sehr traurig, als ich realisierte, dass das ihr letzter Besuch war, nachdem sie uns über 1 1/2 Jahre durch Höhen und Tiefen begleitet hat.

Und plötzlich soll das alles nicht mehr möglich sein? Muss ich bei einer neuen Schwangerschaft jeden Monat Stunden im Wartezimmer meines Frauenarztes verbringen, allein mit meinen Sorgen? Auf gut Glück ins Krankenhaus fahren und hoffen, dass gerade eine nette Hebamme Dienst hat, die ich aber noch nie zuvor gesehen habe, die nicht meine Wünsche bezüglich der Geburt kennt? Nach der Geburt mit jedem Pups des Kindes zum Kinderarzt? Ein Neugeborenes den Keimen und dem Stress aussetzen nur um zu erfahren was man gegen einen wunden Po machen kann?
Das ist keine annehmbare Alternative für mich! Und wenn ich nur dran denke, könnte ich heulen.

Wenn nicht bald etwas passiert, verlieren nicht nur Eltern ihr Recht auf freie Wahl des Geburtsorts und der Schwangerschaftsvorsorge, auch Tausende Hebammen können ihren Beruf nicht mehr frei ausführen und müssen zurück in den Klinikalltag. Es geht ein ganz besonderer Beruf und damit verbundenes Wissen verloren!
Soweit darf es einfach nicht kommen!

Hier gibt es mehr Informationen:
Hebammenverband
Facebook Hebammenunterstützung
Und es wäre schön, wenn ihr diese Petition unterschreibt und teilt!

Weitere Blogposts zu dem Thema:
Kleine Elfe
Lusiluup
Berlin Mitte Mom
Wunschkind Herzkind Nervkind
Ein Blog für alle Daheimgebliebenen
A lovely journey

Ihr hattet auch eine tolle Hebamme und wollt sie unterstützen indem ihr einen Blogpost schreibt, dann schickt mir den Link, ich nehme ihn in die Liste auf!

Kommentare:

  1. ohh ja das thema ist echt richtig übel. an dem tag als ich davon erfuhr hatte ich lustigerweise die debatte über die pille danach mitbekommen und hab mich echt gefragt wen den politikern ins gehirn geschissen hat und warum sie ein so unrelevantes theme der hebammen diskussion vorziehen.
    das macht mich echt so wütend.
    ich wollte bei unserem nächsten kind wirklich sehr gerne in ein geburtshaus, deswegen liegt es mir wirklich sehr am herzen das hier eingegriffen wird und der druck auf die politik durch uns mamas erhöht wird.
    jan und ich haben die petition längst unterschrieben.

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  2. Dein post ist sooo schön und spricht mir aus dem Herzen!!!
    Wir haben unsere Milchmaus in einem Geburtshaus bekommen und mir ist unsere Hebamme so sehr ans Herz gewachsen, dass ich garnicht an den Abschied denken mag. Da hilft nur, schnell wieder schwanger werden ;-)

    Der Rückhalt durch die Hebamme im Wochenbett, wenn es mal mit dem Stillen, schlafen oder baden nicht klappt, ist einfach unbeschreiblich. Jedes Treffen mit ihr ist Balsam für die Seele.

    Es wäre so schlimm wenn durch die Politik diese tollen Frauen in den Klinikalltag gedrängt werden. Oder noch schlimmer (wie auf Sylt wo es keine Geburtsstation und Hebammenbetreuung mehr gibt) der hebammenberuf ganz verschwindet!!!!

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  3. Danke für den Beitrag! Ich habe eine Ausbildung als Hebamme gemacht und eine Weile in meinem Traumberuf gearbeitet. Aber schon seit ein paar Jahren wurden einem immer mehr Steine in den Weg gelegt, der Klinikalltag wurde vor allem von Bürokratie und Zeitmangel bestimmt, abgesehen von der miesen Bezahlung, die freiberufliche Arbeit machte mir großen Spaß, wurde aber nach und nach auch nicht mehr finanziell tragbar. Auf mein Glas Wein abends zu verzichten und immer mit angeschaltetem Handy neben dem Ohr einzuschlafen fiel mir nie schwer für den Beruf, weil ich mit Laib und Seele Hebamme war. Aber als dann noch die Versicherungssummen anfingen ins Unermessliche zu steigen und ich nicht mehr schaffte so viel zu verdienen, um abzüglich der Versicherungskosten noch genug Gewinn zu machen, habe ich damals schweren Herzens beschlossen, das sinkende Schiff zu verlassen und umzusatteln. Gerade bin ich mehr als froh über diese Entscheidung, aber vor allem tief traurig über die Entwicklung die das Ganze genommen hat. Aber gleichzeitig schwingt auch ein kleiner Funken Hoffnung mit. Zum Glück gibt es momentan viele Protestaktionen und Reaktionen von Seiten der Hebammen selbst und der Frauen, die sich eine selbstbestimmte Geburt, sowie eine angemessene Betreuung vor und nach der Geburt wünschen, dass ich davon ausgehe, dass sich irgendwie eine Lösung finden wird. Und vielleicht ist diese ja sogar etwas fairer... Vielleicht nur ein Traum, aber möglicher Weise gar nicht so unrealistisch, wenn jetzt genügend Menschen auf die Straße gehen und Petitionen unterschreiben!!!
    Liebe Grüße,
    Nora

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  4. Hallo liebe Svenja,

    danke für deinen Post. Mir geht das Thema ebenfalls sehr nahe und darum gab es heute auch einen entsprechenen Blogeintrag. Ich würde mich freuen, wenn du mich in die Liste aufnimmst.

    http://lusiluup.blogspot.de/2014/02/22-wochen-ein-herz-fur-meine-hebamme.html

    Liebe Grüße
    Stefanie

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  5. Vielen Dank für deinen Aufruf, je mehr, desto besser!
    Ich hoffe wirklich, wir können das Ruder noch rumreißen...
    Hier findest du meinen Beitrag dazu: http://www.alovelyjourney.de/2014/02/26-wochen-die-hebamme.html

    Liebe Grüße
    Saskia

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  6. Auch wenn mich das Thema "noch" nicht betrifft, interessiert es mich. Die Petition habe ich nach dem Nido-Artikel schon unterschrieben, aber auch diese hat ja leider bisher nichts gebracht. Ich hoffe, dass es durch die kleine Bloggerwelt und Facebook noch etwas vorangetrieben wird ... ich glaube allerdigns, dass Leute, die das nicht betrifft (Menschen über dem Kinderbekommalter/darunter, Männer ...) sich auch nicht einsetzen bzw überhaupt großartig interessieren.

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