Startseite Über Tutorials Freunde Webshop

Jahr 1: Aus einem Paar werden Eltern

Eine weitere Frage, die mir in den Kommentaren gestellt wurde.
Wie verändert das Familienleben die Partnerschaft?
Ich habe bisher kaum über dieses Thema gesprochen, denn je nachdem an welchem Tag ich etwas darüber schreiben würde, würde der Bericht entweder super positiv oder negativ ausfallen. Ich bemühe mich heute möglichst neutral zu bleiben.

Ja, ein Kind zu bekommen verändert die Partnerschaft, extrem, in beide Richtungen.
Nach der Geburt spürte ich das Band zwischen uns so stark wie noch nie, wir hatten das zusammen gemeistert, Nils ist nicht von meiner Seite gewichen, er hat mich in meinem stärksten, anstrengendsten und schmerzhaftesten Moment erlebt, er hat mir Kraft gegeben. Und das diese Anstrengung dann von diesem wundervollen Wesen gekrönt wurde, hat es perfekt gemacht.
Auch die ersten Wochen waren voller Harmonie, schwer wurde es erst, als langsam der Alltag einzog und wir damit unsere neuen Rollen annahmen, als Mutter und Vater.

Auch wenn man das nicht machen soll und wir es auch nie machen wollten, aber innerlich fingen an Sachen aufzuwiegen. "Ich habe die letzten 3 Tage die großen Windeln gewechselt, jetzt ist er mal dran.", "Sie war gestern 30min baden, jetzt will ich auch 30min für mich"...und so weiter.
Wenn dann noch Stress, wenig Schlaf und Hormonumschwünge dazu kommen, kann es richtig knallen.
Dabei geht es dann meistens um Belanglosigkeiten, wie wer die Spülmaschine ausräumt, Streitthemen über die ich mich früher noch lustig gemacht habe, aber sie sind nur Stellvertreter für so viele Sachen, die einem eigentlich auf der Seele liegen, aber denen man sich oft gar nicht bewusst ist, die man sich nicht traut auszusprechen oder die einfach zu viel Zeit kosten würden.
Hinter einem: "Verdammt nochmal, wie oft muss ich dir noch sagen die Wäsche in den Korb zu tun!" steckt ganz oft so viel mehr: "Ich bin so unendlich müde." "Ich habe Angst, dass du mich nicht mehr attraktiv findest." "Ich würde mal gerne einen Tag mit dir tauschen und arbeiten gehen um hier raus zu kommen."....
In einer gesunden Beziehung sollte man sowas natürlich kommunizieren können, meint man. Wir konnten das früher auch immer. Aber jetzt ist es oft schwer.
Nils muss leider immer wieder als mein persönlicher Blitzableiter herhalten, was mir im Nachhinein immer schrecklich leid tut. Aber manchmal bin ich so gestresst, dann muss es einfach raus.

Das hört sich jetzt alles mal wieder schrecklich negativ an, aber so einseitig ist es natürlich nicht.
Unsere Beziehung wurde zwar noch nie so strapaziert wie im letzten Jahr, aber sie war auch noch nie so innig.
Man lernt die kleinen Momente zu schätzen. Gemeinsam spazieren gehen und erzählen während das Kind selig im Tuch schläft, Abends aneinander gekuschelt einen Film im Bett schauen, gemeinsam auf der Couch sitzen und dem Kind beim spielen zu schauen.
Wissen, dass der andere gerade genau das gleiche fühlt, dass ihn dieses kleine Wunder genauso mit Freude und Stolz erfüllt, dieses unbeschreibliche Gefühl das nur Eltern kennen.

Ich habe ein riesen Glück, so einen tollen Mann zu haben, der mir immer den Rücken frei hält, der mich in meinen Wünschen und Plänen unterstützt und der hinter mir steht. Es macht vieles leichter, wenn man sich einig ist über die Erziehung, die Zukunft und die Rollenverteilung.
Trotzdem bin ich mir auch im klaren darüber, dass wir uns nochmal weiter entwickeln müssen, nochmal neu lernen müssen zu "streiten", vor allem jetzt wo Martha immer mehr versteht und bald auch selbst anfängt zu sprechen.
Das ist das Leben, das ist Liebe...jetzt erst recht!

Kommentare:

  1. So wahr..wir haben bald auch unser erstes Jahr als Eltern rum,und dein Post hätte auch von mir stammen können. Unterschreib ich alles!

    Lieben Gruß und schöne Feiertage!
    Melanie

    AntwortenLöschen
  2. Danke für diesen wunderbaren post. Unser Kleiner ist jetzt knapp 7 Monate alt und ich unterschreibe alles was du hier beschrieben hast. Und ich empfinde deinen post übrigens als gar nicht negativ, das könnte man eventuell als Nicht-Eltern so auslegen... Nein, ich finde ihn einfach ehrlich und den Tatsachen entsprechend und schön beschrieben. Denn so nah wie wir einander nun sind als Paar, soweit sind wir in manchen Dingen auch entfernt. Manchmal stellen wir uns die Frage -ist das zu nah? Und manchmal sind wir doch auch so einsam mit unseren Kinderalltag und so weit entfernt vom früheren Leben, als noch alles viel vorhersehbar war als heute.
    Aber das ist die Liebe :)
    frohe Weihnachten!!!!

    AntwortenLöschen
  3. Du schreibst mir aus der Seele!!!!! Das Leben als Eltern ist wirklich hart! Aber ich für meinen Teil Liebe es! Das hätte ich nie gedacht! Und ich bin nun fast 7 Jahre mit meinem Mann zusammen, seit 4 Jahren sind wir Eltern, das reste Jahr unverheiratet (denn uns wurde gesagt, das erste Jahr ist das härteste und seit 3 Jahren sind wir verheiratet. Und uns ist bewusst... Wir lieben unser Leben, auch wenn es manchmal wirklich hart ist!!! Ich schick dir liebe Grüße Dany

    AntwortenLöschen
  4. Lieben Dank für diesen ehrlichen, ungeschminkten und zugleich so liebevollen Post. Ja und genauso ist es. Und ich bin froh zu hören, dass es anderen auch so geht. Vor allem wenn ich um mich rum das Gefühl habe, das alle Paare sobald sie Eltern sind auf einmal auf rosarot tun (oder doch so sind??). Alles Liebe, Mo

    AntwortenLöschen
  5. Hach ja, aus dem Herzen gecshrieben. Du triffst den Nagel mit deinen Aussagen auf den Kopf... Ein zweites Kind wollten wir immer, aber ganz ehrlich, all diese Momente die du oben beschreibst, potenzieren sich mit zweien. Manches ist auch wirllich ganz anders, aber vieles einfach nur extremer...

    Liebe Grüße,
    Pauline

    AntwortenLöschen
  6. Habe den Artikel schon gestern auf meinem Handy gelesen, aber ich wollte unbedingt noch einen Gruß dalassen und dir sagen, dass ich es ganz toll finde, dass du hier auch von schwierigen Dingen berichtest! Die Welt ist schließlich nicht immer rosarot ;-)

    Danke!

    Liebe Grüße,
    Janina

    AntwortenLöschen