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"Genießen"

Heute mal ein Post zu einem Thema, dass mir schon lange auf dem Herzen liegt.
Wenn es einen Satz gibt, der mich in der Schwangerschaft und jetzt auch noch total nervt, dann
"Genieß die Zeit".
Schön gesagt und gut gemeint, aber auch leicht gesagt, denn ganz ehrlich: das geht nicht immer.
Eben ertappte ich mich dabei, wie ich Julia schreiben wollte, sie soll die letzten Schwangerschaftswochen genießen, da merkte ich was ich schrieb und löschte es wieder, ich war in den letzten Wochen vor der Geburt auch nur noch ungeduldig und wollte Martha endlich im Arm halten. Dann ging ich auf unseren Blog, neuer Kommentar freischalten:"man muss die Zeit mit den Kleinen genießen."
Argh...Karma
 Ich glaube ich bin keine schlechte Mutter, wenn ich sage, dass ich nicht alles genießen kann, es gibt Tage die sind einfach unglaublich anstrengend, das Kind ist manchmal unglaublich anstrengend. Und ja, wenn ich nach einer schlimmen Woche mit schubendem und zahnendem Kind morgens von Gebrüll geweckt werde, will ich mir einfach nur die Decke über den Kopf ziehen und ich wünsche mir, dass der Tag schnell vergeht. Das der Zahn schnell raus ist, der Schub geschafft, das Kind krabbeln, sitzen, laufen, sprechen kann...
Im hier und jetzt ist ein Baby/Kind halt wirklich oft anstrengend (Ausnahmen bestätigen die Regel) und man hat als Eltern wenig Pausen zum verschnaufen.
Aber natürlich gibt es sie trotzdem, die kleinen Kraftquellen, wenn das Kind einfach so laut anfängt zu lachen, wenn es plötzlich etwas neues kann, wenn es einen mit diesem Blick ansieht, als wäre man der Mittelpunkt seines Lebens.
Das tolle ist, dass man wirklich nur diese Augenblicke behält, den Rest vergisst man, ganz schön schlau von der Natur.
Letztens ertappten wir uns beim Anblick eins Neugeborenen wie wir von der Zeit schwärmten "Da hat Martha den ganzen Tag geschlafen und war nie schlecht drauf"...die Mutter schenkte uns einen missbilligenden Blick und auch mein Tagebuch von der Zeit spricht ganz andere Bände.
Vielleicht gelingt es einem beim zweiten, dritten usw. Kind eher die Zeit zu genießen, weil man weiß wie schnell sie vergeht, aber vielleicht ist man als Folgemami auch einfach schon gelassener. Wir werden es vielleicht irgendwann sehen.
Ich bin froh, dass ich mich über das Thema auch schon mit anderen Mamis austauschen konnte, und das ich nicht damit alleine bin, nicht alles genießen zu können. Je öfter man sowas nämlich gesagt bekommt und dann noch von "alles ist soooo zuckerwunderrosawolkeschön"-Blogger-Mamas ließt, umso mehr fühlt man sich als Rabenmutter.
Aber warum sagt man sowas so schnell, wieso bin auch ich oft kurz davor diesen Rat zu geben? Vielleicht weil es niemandem, der den Rat gibt selbst gelungen ist. Weil man die Tage einfach nehmen muss wie sie sind, die guten ins Gedächtnis, die schlechten in den Reißwolf. Ein viel besserer Rat wäre da doch: "Versuche von jedem Tag etwas zu lernen, etwas mit zu nehmen", denn auch aus schlechten Tagen kann man lernen.

Kommentare:

  1. Einfach nur mal "Danke" sage. Wieder ganz toll geschrieben. Und du sprichst ein wahres Wort gelassen aus: Nur die guten Tage bleiben hängen. Zum Glück. Wäre es anders gäbe es garantiert keine Eltern, die ein zweites Kind bekommen.
    Und danke für deine Ehrlichkeit. Davon kann sich manche Mutter, die ihr Umfeld (und teilweise sich selbst belügt) ein ganz dickes Stück abschneiden.

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  2. Vielen Dank für deinen Post!
    Jedes einzelne Wort könnte ich so auch schreiben.
    Es ist so schnell dahingesagt, das mit dem Genießen...
    Ich atme durch, wenn ich Ruhephasen habe und auch wenn die Große in der Kita ist

    liebe Grüße von Beate, die grad genießt, dass das Baby schläft ;)

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  3. Oder aber, sich auf die guten Dinge des Tages zu konzentrieren. Ich kann das leicht sagen, noch kinderlos, aber ich vermute mal, dass auch der stressigste Tag irgendwo einen Herzmoment hat, der schön ist. Den sollte man dann genießen. Vielleicht.

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  4. Hallo, das hast du wunderbar in die richtigen Worte gefasst...LG Nina

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  5. Ich muss mal meinen Senf dazu geben, denn ich bin auch eine Genuss-Empfehlerin:

    Es ist ja nun so - mein Sohn wird nun bald 18 Jahre alt, er ist (leider) ein Einzelkind geblieben. Ich war auch schon jung Mutter (mit knapp 23) - weil ich es so wollte ABER neben dem Kleinen musste ich schon nach 10 Montaten wieder voll arbeiten gehen. Ich habe so viele Momente, die wunderschön hätten sein sollen, schlicht verpasst - aber bei ganz vielen Momenten war ich dabei - mein Sohn und ich haben ein tolles Verhältnis zueinander - ich hätte die Zeit gern mehr genossen - tja dann muss ich eben in Erinnerungen schwelgen - und die gemeinsam erlebten Momente "nachgenießen" - Ich glaube ganau dafür ist unsere Selektive - Positiv - Erinnerungs - Funktione ins Mamihirn eingebaut!!! :)
    Und als Rabenmutter fühlt man (frau) sich im Laufe der Jahre so oft - aber das ist wurscht, wenn Dein Kind dich anlächelt, dir einen dicken Schmatz gibt, oder sich einfach nur vertrauensvoll an Dich lehnt - heute ruft er oft "hab dich lieb" - und das ist alles was ich wissen muss !!!

    Winke-Grüße von der Dauerleserin
    Zicki

    PS: aber mit meinen schlauen "Ratschlägen" werde ich versuchen in Zukunft weniger invasiv umzugehen (haben gard viele Babies im Freundeskreis)

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  6. Mutterblogs haben auch mir eine unrealistische Vorstellung vom Familienleben vermittelt. ;)

    Herzlich,Mia

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  7. Danke! Du sprichst mir aus der Seele!

    Herzlichst
    die Katja

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  8. Ich kann dir auch nur zustimmen. Danke für diesen Post.
    Fühle mich auch manchmal als Rabenmutti. Zum Beispiel wenn man nachts drei Mal ein Fläschchen machen muss, dann ist man einfach maulig am Morgen...unausgeglichen und knülle. Und wenn ich andere junge Muttis höre. Bei denen ist alles perfekt. *janaklar
    Obwohl auch ich schon einmal diese Worte gewünscht habe. Ich werde in Zukunft wohl auch anders wünschen.
    LG Stefanie

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  9. Was für wahre Worte liebe Svenja! Ich denke dieses Phänomen der rosaroten Mamabloggs liegt darin, dass die Mama in turbulenten Zeiten kaum Zeit zum bloggen hat, aber sobald alles tutti ist, will man es in die Welt bzw ins www schreien ;) Aber es ist natürlich ansonsten 100 %ig wahr was du schreibst- und die Art und Weiße wie du es ausdrückst ist sehr schön!
    liebe Grüße
    Sandra
    http://lebenzwischenseifenblasen.blogspot.de/

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  10. "soooo zuckerwunderrosawolkeschön"-Blogger-Mamas".
    Finde auch ich hin und wieder etwas befremdlich :)

    Liebe Grüße
    Jule

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  11. Oh ja. Und ich bin zum zweiten Mal Mami und auch ich habe Tage an denen würde ich am liebsten nicht aufstehen. Na klar genieße ich es wenn er mich anlacht, im Moment fast täglich was neues kann, aber nach der 8 voll gek..... Windel, dem quengeln und knatschen einfach nur weil alles blöd ist, der Brei nicht schmeckt, die Milchflasche nur zum drauf kauen benutzt wird und schlafen völlig überbewertet wird, dann könnte ich den Satz gehörig in die Tonne drücken. Liebste Grüße Steffi

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  12. schöner Post.
    Und auch wenns bei mir gerade (noch) plüschpuffeligwunderbar ist, zumindest meistens, so ist mir doch klar, dass es nicht immer so bleiben wird.
    Und den Satz "genieß die Zeit" kann ich schon jetzt nach drei Wochen nicht mehr hören!

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  13. Das hast du echt super aufgeschrieben! :)

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  14. Ich danke dir so sehr für deine immer ehrlichen Worte! Du sprichst mir dabei so aus der Seele, das ist unglaublich! <3

    Liebe Grüße,
    Steffi

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  15. Ich habe jetzt schon einiges auf deinem/eurem Blog gelesen und mir ist es als lese ich hier über meine Situation vor 4/5 Jahren. Unsere (jetzt) große Tochter war eine vehemennte Schlafverweigerin, brauchte den ganzen Tag Dauerbespaßung und es war einfach trotz aller schönen Momente sehr anstrengend.

    Und ich hoffe wirklich es läuft bei euch besser, ich kann nur sagen, dass wir als sie 2 Jahre war noch nächtelang neben ihrem Bett lagen (im Familienbett ging schlafen gar nicht) und auch jetzt, sie ist 5, ruft sie mich nachts manchmal zig mal, kann nicht einschlafen, kann nicht weiterschlafen usw.... Ich habe mich sooft gefragt, was ich/wir falsch gemacht haben und man hört natürlich AUSSCHLIEßLICH und von ALLEN was man anders machen soll, das wir uns nicht wundern sollen usw....
    Aber hey... Wir haben jetzt ein zweites Baby, es ist 11 Wochen alt und einfach ein anderer Charakter. gemütlich, schläft gern, hat gern seine Ruhe, es ist ein Spaziergang im Vergleich zu unserer Tochter, obwohl sie z.B. fast nie geschrien hat.... es ist letztlich eine Frage des Charakters und man sieht es auch gelassener.
    Ich habe mich damit abgefunden dass sie immer schlecht schlafen wird und mir tut es für sie unheimlich leid, denn was gibt es schöneres als einfach schlafen zu können wenn man müde ist? Aber sie möchte nichts verpassen und kommt einfach nicht zur Ruhe wenn es *ruhig* ist... Das Neo so ganz anders ist, lässt Milena zwar nicht besser schlafen, aber wir sind uns jetzt sicher, das es nicht unsere *Schuld* ist, wir nichts *falsch* gemacht haben und sie auch nicht so ist weil wir sie *verwöhnt* haben....
    Und ich finde du brichst hier eine Lanze für alle Mütter und Väter die ihre Kinder von ganzem Herzen lieben aber sich nicht immer alles schön reden und schreiben, manchmal ist es es einfach schwierig, und Wochen- Monate-jahrelang nur stundenweise Schlaf zu bekommen ist Hölle... so sieht es aus. Danke dafür

    LG und toi toi das die Nächte bald besser werden

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