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Plötzlich Mama


Eigentlich sollte das hier noch alles im „4-Wochen Babyglück“-Post stehen, aber als ich merkte wie lang der Text wird, dachte ich daraus kann man auch einen ganzen Artikel machen.

Im letzten Monat wurde ich von vielen –kinderlosen- Freundinnen gefragt, wie es sich denn anfühlt Mama zu sein. Meine Standartantwort: anstrengend und wunderschön.   
Anders kann ich es nicht erklären, denn egal wie viele Worte ich nutzen würde, ich käme nie auch nur annähernd an die Intensität und die Zerrissenheit dieses Gefühls heran. 
Als Mama befinde ich mich (ich weiß nicht ob das allgemein gilt) in einem Dauerzustand zwischen Glückseligkeit, Stolz, Rührung, Verliebtheit, Zufriedenheit, Angst, Sorge, Schuldgefühlen, Abhängigkeit, Selbstzweifel und Müdigkeit.

Aber von vorne: Was einem niemand in der Schwangerschaft sagt, ist dass es einige Zeit dauern kann, bis man sich als Mama fühlt. Ich habe Martha immer geliebt, schon im Bauch und noch 1000mal mehr, als sie dann endlich in meinen Armen lag. Aber bis ich wirklich realisierte, dass diese süße Maus meine Tochter ist und ich nun Mama bin, auf Lebenszeit, das realisierte ich erst am 3. Tag nach ihrer Geburt, als unser Besuch die Kleine „viel zu lange“ im Arm hatte. Da schoss es mir auf einmal durch den Kopf „Ich will mein Kind zurück!“. Jaja, eine sehr gluckenhafte Situation, aber für mich war das ein ganz besonderer Moment den ich nie vergessen werde, meine ersten Muttergefühle.

Wenn sie jetzt so neben mir liegt, satt und zufrieden aus dem Fenster schaut und vor sich hin quietscht, dann macht mich das glücklich und stolz, stolz auf sie, weil sie schon „so ein großes Mädchen“ ist und stolz auf mich, dass ich (zusammen mit ihrem Papa) so ein wundervolles Wesen geschaffen habe. Das sind die schönen Momente, die einem in Erinnerung bleiben, von denen man zehrt, wenn es eben mal nicht so gut läuft.

Und die Momente gibt es, Stunden in denen das Kind untröstlich ist, egal was man macht, in denen man irgendwann nur noch mit weint, weil einem das Kind so leid tut, weil man sich nicht zu helfen weiß, weil die eigenen Nerven blank liegen. Momente in denen man sich etwas mehr Zeit für sich wünscht, zum Beispiel wenn das Baby jede Stunde an die Brust will und man sich irgendwann nur noch wie eine Milchkuh fühlt, auf die Brüste reduziert. Momente in denen man wegen genau dieser Gedanken vor Schuldgefühlen zerbricht.

Aber das Gute ist, dass diese Momente meistens schon am nächsten Morgen wieder vergessen sind. Und ich bin mir sicher, wenn man in ein paar Jahren an diese Zeit zurück denkt, kann man sich gar nicht mehr an die dunklen Stunden erinnern.

Als ich heute in einer freien Minute nach dem Duschen vor dem Spiegel stand, stellte ich mir die Frage, ob mich das Mutter sein verändert hat. Rein äußerlich...teils teils, von der Schwangerschaft ist nicht wirklich was übrig geblieben, aber vom Schlafmangel durchaus, meine Augenringe sind an manchen Tagen so groß, man könnte Hulla Hoop mit ihnen tanzen.
In mir drin hat sich viel mehr getan. Es fühlt sich an, als hätte mein Herz aufgeräumt, Platz gemacht für Martha und dabei alle Sorgen und bösen Erinnerungen raus geworfen, die darin nichts mehr zu suchen haben. Dadurch bin ich auch "sanfter" geworden...zum Beispiel der Streit mit der Freundin der schon Jahre zurück liegt aber nie vom Tisch war? -vergeben und vergessen-. Es ist keine Zeit und kein Platz mehr da um sich an solchen Lappalien aufzuhängen. Die kurze Zeit des Tages, an der Martha nicht sämtliche meiner Gedanken füllt, versuche ich für mich selbst zu nutzen, Dinge zu machen die mir Spaß machen (zum Beispiel gerade diesen Artikel schreiben) und mir gut tun, oder -wenn Martha mal so tief und fest schläft das wir beide die Hände frei haben- die Zeit mit Nils zu verbringen.

Egal wie stressig es manchmal ist, ich liebe es Mama zu sein und ich habe diese Entscheidung noch keine Minute bereut!

 

Kommentare:

  1. Man merkt, dass der Artikel aus tiefstem Herzen kommt. Toll, dass du deine Gedanken mit uns teilst! Meine Mama sagt andauernd "Das verstehst du erst, wenn du selbst Mutter bist." und deshalb werde ich diesen Artikel vermutlich anders empfinden, als eine Mutter das tut.

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  2. Mir ging es oft ganz genauso, insbesondere in den ersten Wochen und Monaten. Ich habe mir oft gewünscht mal ohne Kind aufzuwachen, nicht schon wieder der. Einfach mal Pause von der Last. Die Last das ganze Glück des Kindes tragen zu müssen, die Last es zu ernähren, die Last es zufrieden zu stellen, die Last es zu erziehen, die Last dass ich nachher als Mutter doch für alles die Schuldige bin...
    Die größte Unterstützung habe ich im Freundeskreis erfahren. Nicht allein sein damit.
    Und ja, im Ende ist es das größte Glück, aber es ist auch die größte Plage, der größte Stress, der größte Kummer, die größte Liebe.
    Sollte jetzt eigentlich kein Aufsatz werden, irgendwie müssen da wohl alle durch. Ich liebe meine Jungs, und möchte Authentizität vermitteln, sie sollen lernen sich selbst gegenüber ehrlich zu sein, und das können sie nur, wenn ich es selbst bin.
    lieben Gruß, ich les bei euch sehr gerne mit, Nemi

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  3. Du hast ein unwahrscheinliches Talent zu schreiben. Das musste ich mal los werden.
    Danke für diesen "Einblick" in deine Gefühlswelt. Einige deiner Sätze haben mich zu Tränen gerührt.

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  4. hach was hast du das schön geschrieben und beschrieben... ja man verändert sich krass wenn man mama wird... ncht unbedingt äusserlich, aber innerlich nimmt dieses kleine wesen so viel platz in anspruch, das es teils wunderschön ist und teils auch sehr beängstigend...
    und dann sind da die anstrengungen die sobald das kleine lächelt oder etwas neues lernt so schnell verflogen sind, das man sich denkt man ist der glücklichste mensch der welt...
    ich habe mich immer gefragt (seit ich mama bin) wie man NOCH einen menschen so lieben kann wie sein eignes kind...?!?! ich werde berichten... denn schon jetzt liebe ich carlotta genauso wie emmelie... und es wird sicher nicht weniger... ;-)

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  5. So ein wunderschöner Text. Ich habe ihn gerne gelesen. Vielen Dank dafür!

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  6. ach ja, du sprichst mir aus der seele.
    wie oft ich schon nachts um 23 uhr fluchend mit elli durch die wohnung gestampft bin, sie irgendwann wutentbrannt dem papa gegeben habe damit er weiter vesucht sie in den schlaf zu schaukeln und mich total frustriert ins bett geschmissen habe.
    am nächsten morgen wacht man auf, das kind der reinste sonnenschein auf dem wickeltisch und alles ist vergessen.

    ich glaube so muss das sein :)
    mit der zweisamkeit seit ihr uns anscheinend einen schritt vorraus, die fehlt hier gänzlich :(

    ich finds so schön bei dir zu lesen, auch wenn wir uns nicht kennen, hab dich richtig ins ♥ geschlossen.

    liebe grüße

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  7. <3

    Nun habe ich Tränen in den Augen ;)

    Wirklich wunderschön... Und die Ungeduld ist noch größer!

    Ganz liebe Grüße

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  8. Du schreibst, was mein Mamaherz auch fühlt. Danke für diesen tollen Beitrag! :)

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  9. Dem ist nix hinzuzufügen! *tränenwegwisch*

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  10. *seufz* Wie recht du hast!! GLG Dany

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  11. wow das ist so schön geschrieben... man merkt wirklich dass es einzigartig sein muss... :) wirklich wundervoll!
    lg farina

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  12. Was ein schöner Text!
    Viele Grüße, Goldengelchen

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  13. Liebes,ich kann diene Worte unterschreiben.Und noch nach einem Jahr geht es mir so.Die Zerrissenheit,die Schuld,die Liebe...das wird wohl nie aufhören.Ich hab lange gebraucht um zu begreifen,dass ich nun nicht mehr frei wie der Wind bin.Dass jede Entscheidung,jeder Schritt immer den kleinen Menschen berücksichtigen muss.

    Doch dafür heißen wir Mama. ;)

    Herzlich,Mama Mia

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  14. Du hast das wirklich schön geschrieben :) Bei mir hat das Mama-sein alles komplett veränder die Einstellung zum Leben, die Ansicht von Problemen, das Verständnis für meine Mama und vorallem die wertschätzung für mich selber. Meine Maus hat meine gesamte Welt auf den Kopf gestellt - aber ich bin ihr so dankbar dafür! :)

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  15. ach das erste mal Mutter werden ist das purste Abenteuer! Bei mir dauert es schon 11 Wochen und jeden Tag erlebst du das Kind und dich selbst auf neuste! Du hast das echt voll schön und liebevoll geschrieben, danke dafür! Ganz lg elke

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  16. Kommt mir sehr bekannt vor;-)
    Nur wäre ich damals nicht fähig gewesen, solche Worte zu finden.
    Als ich deinen Post gelesen habe, fiel mir ein, dass es bei uns am Anfang ganz genauso war. Meine Kleine hat sehr viel geschrien und das mit der Milchkuh kenne ich auch. Aber das ändert sich. Die Liebe wird jeden Tag größer, aber die Anstrengungen weniger. Nach 3 Monaten hat sie wirklich immer weniger geschrien.

    Meine Entbindung war nicht so harmonisch wie deine, die kleine musste die ersten 3 Wochen im Krankenhaus bleiben, wurde auch am Köpfchen operiert. Das war wahnsinnig hart für uns, aber, so komisch es klingt, es hat geholfen, dass ich mich nicht gleich so richtig als Mutter gefühlt habe. Wenn ich mir vorstelle, dass uns jetzt (meine Tochter ist gerade 4 geworden) sowas passiert, ich glaube, ich würde vor Sorge kaputt gehen.

    LG
    anne

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  17. Hach! ♥

    Ja, genau SO fühle ich mich.

    Ich hab Gänsehaut beim Lesen bekommen!

    Auch wenn es bei mir noch länger dauerte, bis ich das erst richtig geschnall thab, dass das MEIN Kind ist und nie mehr weg geht... ♥♥♥

    Und - die schlechten Gefühle sind manchmal schon weg, sobald der Papa ihn auf den Arm nimmt und er grinst und ich ihn sofort wieder haben will - obwohl ich doch grade erst zum Papa gesagt hab "nimm mir das Kind ab, ich kann nich mehr!" :D

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  18. so wunder-, wunderschön und ehrlich. und ja, du vergisst die augenringe und schlaflosen nächte. es bleibt die verinnerung, wie du dann sonntag früh um sechs das kind gepackt hast, damit der schwer erkältete mann schlafen kann und überglücklich warst, dsas einzige offene cafe gefunden zu haben... und die erinnerung in meinem kopf zu dieser situation fühlt sich gut an. ich hatte das glücliche kind bei mir, einen jogurt fürs kind und einen guten kaffee für mich.

    liebe grüße von mir mit baby auf dem arm.

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  19. Schön hast Du das beschrieben und mir geht es auch so. Ich bin im Oktober Mama von einer kleinen, süssen Tochter geworden. :-)
    LG
    Claudine

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  20. hach, so toll geschrieben. -Da ist man ja fast schon neidisch und will auch so ein kleines Wesen bekommen.
    Ich finde deine Ehrlichkeit einfach nur klasse! DANKE

    Liebste Grüße Mareike

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  21. Du wirst die schlaflosen Nächte und die Augenringe nicht vergessen, aber sie fühlen sich rückblickend anders an.Ich erinner mich an einen Sonntagmorgen, an dem der Junior nicht einschlafen wollte, Männe krank im BEtt endlich eingeschlafen war. So packte ich (schlaflose Nacht!) den Junior in den Kinderwagen und lief in die Stadt. Das Kind inzwischen bestens gelaunt, suchte ich nach einem Kaffee und vielleicht etwas essbarem für den Junior. Morgens um 6 in einer 100.000-EW-Stadt. Und ich fand eines. Genau das ist das GEfühl, was von diesem Morgen bleib. Die Freude eines Jogurts für den Junior und eines Kaffees für mich.
    Und so ist es mit vielen Erinnerungen. Der Kopf speichert das schöne daran. Nicht das auch 5 Concealer nicht ausgereicht hätte.

    Liebe Grüße,
    Pauline

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