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Inselleben



Schwanger zu sein, ist das schönste Gefühl das es gibt. Das innerhalb von nur 40 Wochen aus zwei Zellen ein kleiner Mensch in einem entsteht, ist ein Wunder, dass ich immer noch nicht fassen kann und für das ich unsagbar dankbar bin.
Jeden Tag, mit jedem Atemzug.
Aber es gibt auch Tage, an denen ich mich schlecht fühle, an denen ich einfach miese Laune habe. Tage an denen alles mühsam erscheint. Tage an denen ich Angst habe und an denen ich einsam bin.
Über sowas spricht man als Schwangere nicht gerne, weil man sich eh schon schlecht deswegen fühlt.
Alle Welt erwartet von einem das man strahlt und die Zeit genießt, man hat doch auch eigentlich keinen Grund nicht glücklich zu sein.
Natürlich bin ich total glücklich, sonst hätte ich mich auch nicht für diesen Weg entschieden, aber es steht auch die größte Veränderung in meinem Leben an, auf die ich mich zwar unsagbar freue, aber vor der ich auch Angst habe. 
Nachts liege ich wach im Bett, eine Hand am Bauch wo ich gestupst werde, die andere am Rücken meines Mannes, bewegt von seinem Atem. Und ich weine, weine vor Glück das mein Leben so wundervoll verlaufen ist, weine aus Dankbarkeit von diesem Menschen ein Kind zu bekommen und weine aus Angst, dass mir das Schicksal einen dieser Menschen nehmen könnte.
Weine aus Angst zu versagen, als Mutter, als Partnerin, in der Uni, als Freundin.
Vieles hat sich schon verändert, Prioritäten haben sich verschoben. Manche Dinge, wie meine fehlende Leistungsfähigkeit in der Uni, belasten mich, an andere, wie schlaflose Nächte, gewöhne ich mich langsam. Aber es tut weh zu sehen, wenn sich Wege trennen. Freunde mit denen man jahrelang Seite an Seite ging, finden sich nicht mehr auf dem neuen Weg,  den man eingeschlagen hat, zurecht. Man steht daneben und muss zusehen wie die Freundschaft zerbricht, aber man kann nichts tun, außer zu hoffen, dass sich die Wege irgendwann wieder kreuzen.
Manchmal fühle ich mich einsam, auf einer kleinen Insel mit meinem Mann an der Hand und meiner Tochter im Bauch, regelmäßig kommt Esther mit ihrem Floß vorbei  und meine Gedanken teile ich mit euch über Flaschenpost(s). Aber ansonsten scheinen wir gerade nur so im Meer zu treiben, weit entfernt von dem Festland von dem wir kamen und das neue Land liegt auch noch im Nebel.
So treiben wir weiter, angetrieben von unserer Liebe und unseren Idealen und hoffen, dass das Meer weiterhin ruhig bleibt und wir in 7 Wochen zu dritt, gesund und glücklich ein neues Ufer betreten, an dem wir neue Freunde finden und vielleicht auch manchen alten wieder begegnen.

Kommentare:

  1. Du Süße. Toll geschrieben. Und ganz ehrlich, sprichst du da bestimmt vielen aus dem Herzen. Zumindest kenne ich diese Gedanken und Gefühle noch von der ersten Schwangerschaft. Und das mitden Freunden auch, viele gehen einen anderen Weg, manche kreuzen sich wieder oder man findet neue auf dem Weg.... aber die Veränderung lohnt sich. Und die Gedanken und Gefühle bleiben immer mal wieder im Hinterkopf und bei mir und meiner zweiten Schwangerschaft kommen noch neue hinzu....glg steffi

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  2. Oh ja, das sind so Ängste die einen manchmal überrollen...Werde ich eine gute Mutter sein? Was für eine Frage!? Klar wirst du! Voller Hingabe bereitest du dem kleinen Ankömmling ein wunderschönes Heim vor und bist dabei so unsagbar kreativ :-)
    Aber diese Gedanken kommen...schieben wir es einfach auf die Hormone ;-)
    Ansonsten hast du Recht...Prioritäten verschieben sich und werden sich weiter verschieben...lass dich einfach treiben auf dem Meer, mit seinen unsagbar schönen Facetten!

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  3. Ich kann dich so gut verstehen! Zwar hat es bei mir andere Gründe, aber ich fühle mich sehr ähnlich.

    "A friend in need is a friend indeed" sagt man im Englischen. Heißt so viel wie "In der Not erkennt man die wahren Freunde". Das ist verflucht hart und ich kann auch nicht verstehen, wieso man gerade dann im Stich gelassen wird, wenn man den anderen am dringendsten braucht. Aber wir wissen jetzt noch nicht, wofür das irgendwann gut sein wird.

    Meine beste Freundin hat mir im Sommer aus heiterem Himmel (und mir bis heute unbegreiflicherweise) die Freundschaft gekündigt. Das war ne furchtbare Situation und mir ging es total schlecht in der ersten Zeit, aber mittlerweile habe ich gemerkt, dass wir uns total auseinandergelebt und kaum noch etwas gemein hatten. Ich schätze sogar, dass sie mir die Trennung von meinem Freund ausgeredet hätte und gerade die war wirklich nötig. Also, zumindest dafür war der Käse gut...

    Übrigens sagte neulich jemand zu mir, dass dieses Jahr ein Jahr sei, in dem alles auseinander ginge, was nicht zusammen gehört. Vielleicht ist da was dran...

    Auch wenn es dir nicht viel hilft, du bist nicht allein *virtuell mal feste drück* Und irgendwann geht's wieder bergauf :)

    Viele liebe Grüße

    Pony

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  4. Das hast du sehr treffend geschrieben. Leider lerne ich dieses Gefühl erst jetzt kennen. Während in der ersten Schwangerschaft alles Neu war und viele Freunde mit uns die Schwangerschaft teilen, kam vor 2 Jahren der Umzug und seitdem wächst zwar die ein oder andere Freundschaft langsam, aber will man unbedingt einer neuen Bekannten gleich die tiefsten Abgründe zeigen? Dazu sind viele Bekanntschaften aufgrund des Juniors entstanden. Es sind liebe Menschen, aber eben aufgrund der Gemeinsamkeit "Kind" gefunden. echte Freunde sind leider gerade sehr rar geworden. Leben die doch über 400 km entfernt, Telefon und e-Mail können einen gemeinsamen Kaffee oder Tee nicht ersetzen.
    Im Moment hab ich viele Termine, der Junior verlangt viel, bin müde, Bewegungen tun weh. Da bleibt meist zum Glück nicht viel Kraft, sich über das Inselleben Gedanken zu machen...
    Was aber sehr viel hilft: Du wisrt neue Kontakte finden. Rückbildungskurs, Yoga, Krabbelgruppe... Du triffst auf Gleichgesinnte - und da die Anzahl der Personen recht groß ist, wird bestimmt jemand dabei sein, der mehr als die SChlaflosigkeit, wunden Brustwarzen, ersten Erkältungen teilt.
    Ich finde es beeindruckend, wenn jemand sehr schnell nach der Geburt versucht, seinen alten Weg weiterzugehen. Ich hab das erste Jahr aber genossen. Die Zeit und Ruhe für viele Dinge zu haben. Etwas anderes zu machen, einen Umweg mit schöner Aussicht oder besonderem Gipfel zu gehen.

    Fühl dich verstanden und umarmt,
    Pauline

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  5. Ich nehm dich einfach mal in den Arm.

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  6. Oh schön ist das geschrieben.
    Mir kamen nun ein paar Tränchen. Das muss daran liegen, dass ich den gleichen Weg eingeschlagen habe wie du – zwar noch am Anfang – aber ich unterschreibe alles, was du da so schreibst!

    Ich drück dir die Daumen und wünsche dir dass alles gut verläuft.

    Nora.

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  7. Sehr treffend geschrieben, danke! Manche Trennungen müssen einfach sein,so doof es klingen mag, dafür kommen dann neue Freundschaften, alles zu seiner Zeit...und davon steht euch noch die schönste bevor!

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  8. Ich glaube niemand halbwegs realistisches erwartet, dass man neun Monate lang vor Glück nur platzt. Gerade beim ersten Kind, und gerade wenn man noch jung ist, sind Zweifel ja wohl natürlich! Aber an denen wächst man. Und aus Fehlern lernt man. (Ohgott, natürlich ist das Kind kein Fehler!) Wenn also mal was schiefgeht, wenn du als Mutter, Partnerin, Studentin einen Fehler machst, dann kannst du das wohl nicht ändern. Du kannst dich entschuldigen und den Fehler nie mehr machen. Und dann ist es doch auch gut so! Niemand ist perfekt (sang schon der alte Rolf Zuckowski). Ihr habt euch, und ich bin sicher, dass du zwar die alten Freunde vermissen, dafür aber auch viele neue Freunde finden wirst!

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  9. Dieses Gefühlschaos kenn ich zu gut und es kommt zwischen durch immer wieder! Ich versuche sowas immer ganz schnell ganz weit weg zuschieben!
    Mit den Freunden ist wahrscheinlich der Lauf der Dinge! Weder verstehen sie sich irgendwann oder nicht! Aber du wirst sehen, bald wird deine Familie das allerwichtigste sein! Und immer wieder werden die neue Menschen begegnen!

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  10. Ein wunderschöner Post und ich möchte dir einfach sagen, auch als (werdende) Mama darfst du einmal schwach sein und Angst haben (ich habe sie täglich, seit das Babymädchen in meinen Bauch und später in unser Leben eingezogen ist). Dein Kind wird dir die Kraft geben, die du brauchst, ganz sicher, die Kleinen sind ganz groß darin.

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  11. Das hast du sehr schön geschrieben... Und ich denke jede werdende Mutter hat das schon durchgemacht...
    Ich ebenfalls... Auch beim zweiten Kind macht man sich Gedanken...

    Alles liebe :-*

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  12. Ein schönes Sinnbild!
    Danke & Lieben Gruß

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  13. Hallo,
    Ich weiß so gut wovon du redest... Ich fühle mich derzeit auch wie in einer Blase, in meiner eigenen kleinen Welt. Für sich genommen ist alles perfekt, aber außerhalb wandelt sich alles. Ich mach in der Uni körperlich schlapp nach langen Bahnfahrten und Treppensteigen, muss da Abstriche machen und frage mich, wie das dann mit Kind wird. Freundschaften lösen sich, neue entstehen...Dann die nagende Frage ob ich eine gute Mutter sein werde und ja: auch Alpträume davon, wie ich mein Kind fallen lasse oder den einfachsten Mist nicht hinkriege und einfach versage.
    Vielleicht ist das einfach normal, um die Mütter darauf vorzubereiten, dass sie sich jetzt jahrelang IMMER in einem Zustand der Sorge befinden werden. Damit man gestärkt wird für die kommenden Aufgaben...
    Wir werden das schon hinkriegen und gute Mütter sein und bis dahin sei dir sicher, dass du nicht alleine bist mit deinen Gefühlen!
    Viele Grüße aus dem BF und MK,
    Pia

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