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Studieren, zu zweit

Ich wurde in den Semesterferien schwanger und die Vorlesungen starteten erst wieder nach Ablauf der 12. Woche. Eine Schwangerschaft lässt sich nur bedingt planen. Aber so war ich um den Verlauf dieser Sache sehr froh. Ich bin sehr unbeschwert an die Schwangerschaft gegangen, ich denke ich bin hart im Nehmen. Ich bin nicht sonderlich zufrieden im Studiengang, für mich ist unklar, ob ich überhaupt fertig studieren möchte, aus diesem Grund bin ich auf einen guten Notenspiegel in keiner Weise angewiesen, schreibe alles mit, aber eben ohne weitere Ambitionen.
Wir wohnen in Köln, studieren in Mönchengladbach, von Haustür zu Vorlesung macht das in der Summe 2 Stunden. Ab der 24. Woche hatte ich Wehen die mich im Alltag massiv einschränkten. Ich biss die Zähne zusammen und ging trotzdem zu den Vorlesungen, doch irgendwann schaffte ich es einfach nicht mehr. Die kleinste Strecke wurde zur Tortur. Es kam der Punkt da weinte ich schon am Bahnhof hier in Köln. Ich konnte es mir nicht eingestehen, wollte nicht weichlich sein, wusste auch nicht, ab wann ist die "beschwerliche" Schwangerschaft eine pathologische Angelegenheit. Es war Angst um mein Baby, Angst davor zuhause zu sitzen, tatenlos, Hilfe anzunehmen. Ich musste über mich herauswachsen. Und ich glaube ich habe es in der Schwangerschaft nicht geschafft.

Von da an, saß ich also zuhause, Svenja setzte sich einmal die Woche mit mir zusammen. Dann kam die Prüfungszeit, ich glaub das war im 8. Monat. Gelernt habe ich ausschliesslich liegend in der warmen Badewanne, denn dort konnte ich es gut aushalten. Ich habe genau eine Prüfung geschrieben, und damit war der Bogen überspannt. Es kam die Vorsorge, es folgte Krankenhaus und Tokolyse. Das Semester konnte ich also vergessen.

Alva war vier Wochen alt, es war ein Tag nach ihrem errechneten Termin, da war ich wieder in der Uni, es war schön wieder dort zu sein. Für mich war das mehr ein Ausbrechen aus dem Alltag, von Zuhause, denn ein konzentrierter Unibesuch. Ich fühlte mich noch etwas unsicher, wollte die anderen nicht stören wenn Alva mal quakte. Beim kleinsten Mucks verließ ich den Saal. Aber ich wurde auch selbstsicherer, im Umgang mit mir als Mutter und im Umgang mit meinem Kind.
Ich besuchte eine Veranstaltung, kleine Gruppe, besprach mich mit dem Dozenten, und es klappte sehr gut! Ich hatte sie im Tuch, ich stillte bei Bedarf, und wohl zum Entsetzen des Dozenten direkt neben ihm :D
Ich konzentrierte mich lediglich auf ein Modul, es beinhaltete zwei Vorlesungen, Teilnahme am Praktikum, eine Präsentation und eine Ausarbeitung. Ich habe es geschafft. Aber auch ich muss das Wort Stilldemenz in den Mund nehmen, ich stille nachts nachwievor alle 2-3 Stunden, und das macht sich in der Konzentration deutlich bemerkbar! Die Gedanken drehen sich um das Baby Tag und Nacht, jeden Stunde, jeder erster Gedanke und jeder letzter Gedanke gilt dem Baby, und irgendwo dazwischen schaffte ich es den Stoff einer Prüfung einzuschieben.

Studieren mit Kind also eine unbezwingbare Herausforderung? Nein, auf keinen Fall. Ich habe mich bewusst dafür entschieden. Ich freue mich über die viele Zeit die ich ungezwungen mit meiner Tochter verbringen kann.
Ich habe diesen Lebensabschnitt Kind in mein Studium gelegt, und es war die richtige Entscheidung. Das ist das Schöne an Kindern, sie sind immer die richtige Entscheidung.
Ob ich nun Mut machen kann, Kinder im Studium zu bekommen? Nun, das muss jeder selbst entscheiden, aber wenn das Herz für Kinder schlägt, es wird einem warm, und man muss lächeln bei dem Gedanken eine Seele einzuladen. Dann meine ich sagen zu können, dass man sich von nichts aufhalten lassen sollte.
erster Unitag, 22. März

Kommentare:

  1. Ich habe auch mit Kind studiert und es gab immer wieder viele Herausforderungen, viel schlechtes Gewissen und Zweifel. Aber ich hatte so viel Zeit für mein Kind, wie ich es nun als arbeitende Mama nie wieder haben werden!
    Es war eine ganz wunderbare Zeit und ich bin froh mich dafür entschieden zu haben!

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  2. Liebe Esther - sehr schön geschrieben. Und egal, wie dein Leben weiter geht und für was du dich entscheidest - es wird für euch das Richtige sein.
    LG

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  3. Freut mich für euch, dass es so gut aufgeht. Man muss es einfach so nehmen, wie es kommt und flexibel und vor allem gelassen bleiben. Das merkt man dir total an!
    Wünsche dir weiterhin alles Gute und dass du deinen beruflichen Weg noch herausfindest.
    Der Jörn

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  4. Das ist einer der schönsten Posts, die ich in den letzten Wochen gelesen habe. Und ob du anderen Frauen damit Mut machst, ganz sicher sogar. Sina

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  5. Das ist ein sehr schöner Post und macht mir auch selbst Mut, denn ich möchte nach dem Bachelor auch gerne schwanger werden und habe dann noch meinen Master vor mir. :) Ich bin mir sicher, dass wenn man organisiert ist und es WILL, man alles schaffen kann!

    :)

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  6. Ein wunderschönes Bild von euch beiden - innig und vertraut, wie ich finde. Voller Liebe.

    Es war die richtige Entscheidung! So wie du es machst, machst du es gut! :)

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