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Hebammen für Deutschland

Paul Cezanne, Hortense stillt Paul (1872)
Eine Schwangerschaft ohne Hebammenhilfe? Für mich nicht vorstellbar.
Von Anfang an war klar, ich möchte "guter Hoffnung" sein, zum Arzt gehe ich wenn ich krank bin - Schwangerschaft und Geburt, das natürlichste auf der Welt - ein biologisches Erfolgsmodell.

So suchte ich mir schon mit dem Kinderwunsch eine geeignete Hebamme hier in Köln, denn ich weiß, freiberufliche Hebammen werden immer seltener. Hebammen die Geburten betreuen, können sich ihren Beruf schlicht nicht mehr leisten! Die gesetzlich vorgeschriebene Berufshaftpflicht hat eine horrende Höhe angenommen, bei gleichbleibender Geburtenzahl.

Ich durfte eine sehr schöne Schwangerschaftsvorsorge erleben, eine ruhige, entspannte Nitya nimmt sich die Zeit für mich, und für mein Baby, es ist kein Abhandeln von wartenden Patienten. Nein, bei Nitya bin ich kein Patient, da bin ich Frau auf dem Höhepunkt des Lebens.
Sie stellt den Mutterpass aus, dokumentiert Gewicht, Blutdruck, Fundusstand, Blutwerte...

Sie tastet meinem Bauch ab, ihre Hände sind weich und warm, und sie strahlt etwas ganz heilsames aus. Über die ganze Schwangerschaft hinweg, lerne ich diese Frau kennen, und das ist auch gut so, denn sie soll mich auch bei der Hausgeburt begleiten. Eine Geburt, das ist mir etwas ganz Intimes, da gehören nur engste Vertraute hinzugezogen. Ich muss mich öffnen können, das erfordert vollumfängliche Vertrautheit, in fremder Umgebung nicht vorstellbar.

Meine Schwangerschaft verläuft leider nicht planmäßig, nicht so bilderbuchmäßig wie vorgestellt, schon ab der 24. Woche habe ich immer wieder Wehen, die Vorsorgen zeigen jedoch, nicht Muttermundswirksam, und so besteht außer Schonung und Ruhe kein Handlungsbedarf. Doch irgendwann kippt die Sache, ich bin in der 33. Woche und die Wehen werden regelmäßig, es zieht.
Nitya tastet mich ab, und nun zeigen die Wehen doch Wirkung, sie schreibt ein CTG, und wir entscheiden uns schweren Herzens für eine stationäre Aufnahme. 3 Wochen Tokolyse, strenge Bettruhe.

Doch auch in dieser Zeit meine Hebamme ruft mich an, ist mein guter Begleiter, ich weine viel, und sie ist meine treue Seele. Jederzeit für mich da.
Meine Geburt dann kurz nach dem Krankenhausaufenthalt eine wunderbare Erfahrung. Zuhause, wir haben es geschafft, wenn auch knapp, denn Hausgeburten dürfen erst bei 36+0 begleitet werden. Nitya, meine Oase.

Darauf folgen die Wochenbettbesuche, ungewaschen, ungekämmt, Muttermilch bekleckert kann ich ihr die Tür aufmachen. Denn mittlerweile ist man so eng zusammengewachsen, da gibt es keine falschen Hemmungen mehr. Sie trägt uns durch die Anfangszeit mit Baby, ist Seelentröster wenn es mal nicht läuft und auch für meinen Mann, für unsere Beziehung nimmt sie sich Zeit.
Der Abschied nach dem Wochenbett tut weh, denn ich sage nun einer Freundin lebewohl.

Wie furchtbar da der Gedanke, dass all das auf der Kippe stehen soll. Wir brauchen unsere Hebammen! Diese Zeit der Schwangerschaft, das Leben ist im Umbruch, da braucht es individuelle Betreuung! Da sollte es auch eine Selbstverständlichkeit sein, diese entsprechend zu entlohnen!
Unsere freiberuflichen Hebammen sind kein überflüssiger Berufsstand. Wir möchten nicht, dass Hebammenversorgung zum Luxusgut wird, Mangelware ist sie aber leider schon geworden.

Verantwortungsvolle Betreuung ganz individuell, achtsam, beobachtend, Zeit nehmend und gebend, in dieser Kontrollwahnsinnigen Gesellschaft etwas wunderbar erholsames.

Vielleicht findet ihr heute ja noch die Zeit ein paar mal hier zu klicken:

https://www.dialog-ueber-deutschland.de/DE/20-Vorschlaege/10-Wie-Leben/Einzelansicht/vorschlaege_einzelansicht_node.html?cms_idIdea=10756

(mehrmaliges Klicken erlaubt und erwünscht ;) )

Außerdem kann ich euch diesen Radiobeitrag ans Herz legen, indem auch Alva einen großen Auftritt hat ;)

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/did=9541162/pv=mplayer/vv=popup/nid=660374/15d5zmg/index.html


Weiterführender Link:

http://www.hebammenfuerdeutschland.de/

Kommentare:

  1. Liebe Esther, ein sehr guter, wichtiger Beitrag. Ich habe natürlich schon geklickt und Alva als Radiostar bewundert (mit ein paar Tränchen in den Augen)

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  2. Da schreibst Wahres. Eine so wunderbare Hebamme durfte ich erst die letzten Wochen vord er Geburt kennenlernen. Als ich vor Angst und Nöten nicht mehr wusste, wohin. Bei den 10-minütigen Arztbesuchen ist dafür keine Zeit. Aber dann ging es mir gut. Im Geburtshaus aufgehoben (leider für die Geburt selber zu spät gemeldet) zu sein, ist etwas tolles. Mit der Zeit (vorallem nach der Geburt) lernte ich die ein oder andere Hebamme dort noch kennen. ABer welch tolles Gefühl es ist, nach dem Chaos und der Hilflosigkeit im Krankenhaus meine Hebamme 2 Stunden später zu sehen, die wichtigsten Worte zu hören "Ihr habt alles richtig gemacht". Das tut gut. Es wäre sehrs chade, wenn diese Menschen, dieser Berufsstand mit der Zeit verschwindet. Schwangere sind gesunde Menschen. Und die Wehwehchen während der SChwangerschaft meist nicht krankhaft. Dennoch brauchen sie gerade sie gutes Zureden.

    Liebe Grüße,
    Pauline

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  3. Wie Recht du hast! In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich auch eine sehr liebevolle Hebamme. Jetzt in meiner zweiten schwangerschaft musste ich nehmen was ich kriegen kann. Bin in den Sommerferien ausgerechnet und es ist nicht leicht, in der Zeit eine Hebamme zubekommen!!! Hoffe ich komme nicht auch noch zum liegen. Gebärmutterhals hat sich schon verkürzt und ich muss mich schonen...

    Lg

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