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Svenjas Geschichte

Nicht unsere Svenja, sondern die liebe Svenja von http://svenjataviundco.blogspot.com/

Ich habe wirklich wunderbare Großeltern, und neben ein wenig Klavier spielen und backen habe ich auch das Nähen von meiner Großmutter gelernt. Es begann mit kleinen Heftchen aus Papier, die wir zusammengenäht haben, um dann Bilder aus Katalogen dort hinein zu kleben.
Jedes Mal musste Opa uns die schwere Nähmaschine aus der Ecke holen, und jedes Mal habe ich Oma dabei zugesehen, wie sie den Faden durch die so kompliziert angeordneten Löcher und Ösen gefädelt hat.
Aber von Anfang an durfte ich den Faden dann durch die Nadel fädeln, weil Oma das Loch immer nicht so gut sehen konnte. Und dann kam das Faszinierendste am Ganzen: Die Nadel senkte sich ab und auf einmal war der andere Faden, der Unterfaden, auch oben!
Irgendwann wurden aus den Papierresten Stoffreste, und Kleidung in Miniausführung wurde genäht. Doch dann wurde auf einmal anderes wichtiger und ich habe Oma nur noch unsere Hosen zum Umnähen gebracht, aber lange Zeit selbst nicht mehr genäht.
Ich weiß nicht mehr genau, was dann der Auslöser war. Vielleicht die selbstgenähten Puppenkleider einer Freundin, oder einfach die Erinnerung. Da war dieses Bedürfnis, sich selbst an die Nähmaschine zu setzen. Da gab es nur ein Problem: Ich wohnte bei meinem Vater in Bremen, wir hatten keine Nähmaschine im Haus und Oma war zu weit weg. Aber wofür hat man eine beste Freundin? Sie wollte Klavier spielen lernen und ich wollte nähen, also wurde kurzerhand das bei mir herumliegende Keyboard gegen die bei ihr im Keller verstaubende Nähmaschine getauscht und beide waren glücklich.
Nach anfänglichen, kläglichen Versuchen machte es mir immer mehr Spaß. Es sammelten sich Stoffe von Bekannten und Verwandten bei mir an, und mich in der Stoffabteilung bei Karstadt auszusetzen wurde langsam aber sicher ein gefährliches, teures Unterfangen.
Mein erstes, vollständiges Projekt war ein schwarzes, trägerloses Kleid. Es war sehr schlicht, aber mit Abnähern und einem Oberteil aus mehreren Teilen sowie eingenähtem Reißverschluss und ich war den ganzen Abtanzball über, an dem ich es getragen hab, stolz wie Oskar. Darauf folgten mehrere Röcke und auch aufwändigere Teile, darunter zwei Lieblingsstücke: Ein T-Shirt mit einem Herz aus lila, blauen und schwarzen Pailletten und ein langes Kleid, das am gesamten Saum mit Strasssteinen besetzt ist. Gerade diese zeitverschlingenden Teile machen einen umso glücklicher, wenn sie endlich fertig sind.
Seitdem ist das Nähen ein Teil meines Lebens geworden, ein sehr wichtiger und erfüllender. Ideen müssen nun sofort festgehalten werden, und manchmal bin ich mit neu gekauftem Stoff viel glücklicher als mit fertiger Kleidung. Die kann man ja schließlich auch selber machen.
Das Gefühl, in Stoffen zu wühlen und diese überall auszubreiten, sie in den Händen zu halten und sich an die Nähmaschine zu setzen, das Rattern der Nadel im Stoff und selbst das Einfädeln des Fadens bis hin zum letzten Moment, das in den Händen halten des fertigen Ergebnisses, ist mit nichts zu vergleichen. Ich finde es gibt nichts, das zufriedenstellender, entspannender und beglückender ist.
So soll es denn hoffentlich auch bei meinem nächsten Projekt sein, ein schwarzes Kleid mit Bubikragen. Nur der geplante Rückenausschnitt wird mir wohl noch so einige Probleme bereiten. Vielleicht sollte ich doch mal wieder zu den Nähstunden gehen, die nach zweimaligem Besuch irgendwie vergessen wurden (:

Kommentare:

  1. Wow, deine Geschichte ist wundervoll geschrieben. Ich finde es faszinierend, wie du den Umgang mit Stoffen, der Nähmaschine usw. beschreibst, denn mir geht es genauso dabei. Irgendwie schade, dass nur noch sehr wenige das Nähen so lieben, sie verpassen nämlich was.

    Leider funktioniert der Link zum Blog nicht, ich würde gerne mehr lesen :)

    Liebe Grüße, Sarah

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  2. liebe Sarah, wir haben den link repariert ;-)

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